In den meisten Unternehmen weiß niemand so ganz genau, wer eigentlich worauf Zugriff hat. Zumindest so lange nie, bis ein Sicherheitsvorfall passiert.
Ein Mitarbeiter, der vor drei Jahren aus der Finanzabteilung ins Marketing gewechselt ist, hat immer noch vollen Zugriff auf die Buchhaltungssysteme. Ein Subunternehmer, dessen Projekt vor sechs Monaten endete, kann sich nach wie vor in die Produktionsumgebung des Kunden einloggen. Und einem ausgeschiedenen IT-Administrator wurden nicht alle Rechte entzogen, weil schlichtweg niemand eine vollständige Liste seiner Berechtigungen hatte.
Das sind keine Ausnahmen. Das ist das typische Bild einer IT-Infrastruktur in einer Organisation, die ihre Berechtigungen nicht systematisch verwaltet.
Das Problem ungeordneter Zugriffsrechte ist dabei keineswegs nur eine Frage der IT-Sicherheit. Es ist ein massives operativer Risiko: Wer darf Finanzdaten modifizieren? Wer hat Zugriff auf sensible Kundendaten? Wer kann die Konfiguration eines Live-Systems ändern? Die Antworten auf diese Fragen sollten jederzeit auf Knopfdruck verfügbar sein. In den meisten Organisationen sind sie es nicht.
Warum Berechtigungsmanagement geschäftskritisch ist
Die drei Kernfragen der IT-Sicherheit
Effizientes Berechtigungsmanagement lässt sich auf drei Fragen herunterbrechen: Wer hat Zugriff? Worauf besteht Zugriff? Und in welchem Umfang? Das klingt einfach, ist in der Praxis jedoch eines der am schwersten aufrechterhaltbaren Elemente der IT-Sicherheit, da sich der Zustand von Berechtigungen permanent verändert. Mitarbeiter wechseln ihre Rollen, externe Dienstleister kommen hinzu, neue Software-Tools werden eingeführt – und alte Konten bleiben oft noch Jahre aktiv, nachdem sie ihren Zweck erfüllt haben.
Wie Microsoft im Kontext von IAM definiert, besteht das Ziel von Identitäts- und Zugriffsmanagementsystemen darin, sicherzustellen, dass Authentifizierung und Autorisierung bei jedem Zugriffsversuch korrekt ablaufen und die Informationen darüber, wer Zugriff haben sollte, kontinuierlich aktualisiert werden. Organisationen vergeben unterschiedliche Zugriffsebenen basierend auf Position, Betriebszugehörigkeit, Abteilung und Projekt. Das Problem entsteht, wenn diese Ebenen nicht regelmäßig überprüft werden.
IAM vs. PAM: Ein kleiner, aber feiner Unterschied
Zwei Begriffe, die im Kontext des Berechtigungsmanagements unweigerlich auftauchen, sind IAM (Identity and Access Management) und PAM (Privileged Access Management). Wie SecurityScorecard erläutert, verwaltet IAM die Identitäten und Zugriffsrichtlinien aller Benutzer – Mitarbeiter, Vertragspartner und Systeme. PAM hingegen konzentriert sich ausschließlich auf privilegierte Konten: Administratoren, Dienstkonten (Service Accounts) und Benutzer mit Zugriff auf geschäftskritische Kernressourcen. Beide Bereiche ergänzen sich gegenseitig – und beide erfordern einen systematischen Ansatz.
Die Dimension des Risikos: Zahlen und Fakten
Laut Daten von ESDS stehen kompromittierte privilegierte Konten mit rund 80 % aller Sicherheitsverletzungen in Verbindung. Der Verizon Data Breach Investigations Report 2024 zeigt, dass 68 % aller weltweiten Sicherheitsvorfälle eine menschliche Komponente beinhalteten – sei es durch Fehler, Privilegienmissbrauch oder gestohlene Zugangsdaten. Die durchschnittlichen Kosten eines Datenlecks beliefen sich laut dem IBM Cost of Data Breach Report 2024 auf 4,88 Millionen USD. Unkontrollierte Berechtigungen sind kein abstraktes IT-Problem, sondern ein direkter, offener Angriffsvektor.
Wie das Berechtigungschaos in der Realität aussieht
Privilege Creep – Die schleichende Rechteanhäufung
Unter Privilege Creep versteht man die allmähliche Akkumulation von Berechtigungen, die bei jedem Rollen-, Projekt- oder Abteilungswechsel auftritt – ohne dass die vorherigen Zugriffe entzogen werden. Ein Mitarbeiter, der über drei Jahre hinweg verschiedene Abteilungen durchlaufen hat, besitzt am Ende oft Rechte für Systeme, die er seit einem Jahr nicht mehr nutzen müsste. Jede einzelne Rechtevergabe war im Moment der Erteilung absolut gerechtfertigt. Das Problem ist, dass im Nachhinein niemand verifiziert, ob der Zugriff noch benötigt wird.
Wie Zero Networks treffend beschreibt, häufen Benutzer im Laufe der Zeit Zugriffe an, die sie nicht mehr benötigen, Dienstkonten erlangen unkontrollierte Privilegien und ältere Anwendungen fordern übermäßige Rechte ein, nur um überhaupt zu funktionieren.
Shared Accounts – Zugriff ohne Identität, Identität ohne Haftung
Ein von mehreren Personen gleichzeitig genutztes Konto – wie admin@unternehmen.de, ein vom gesamten Team verwendetes Dienstkonto oder ein gemeinsamer Login für ein externes System – ist ein Konto bez einen eindeutigen Eigentümer. Wenn mehrere Personen denselben Account teilen, ist es im Ernstfall unmöglich festzustellen, wer eine bestimmte Operation zu einem exakten Zeitpunkt durchgeführt hat. Wie Securivy in einer PAM-Analyse betont, führt der Mangel an Transparenz bei den Aktivitäten privilegierter Benutzer durch Shared Accounts zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Nachverfolgung von Aktionen und der Behebung potenzieller Probleme.
Mitarbeiterabgang ohne vollständiges Offboarding
Ein Mitarbeiter verlässt das Unternehmen. Sein Konto im Active Directory wird ordnungsgemäß deaktiviert. Doch was passiert mit den Zugängen zu SaaS-Anwendungen? Zum externen System des Kunden? Zu Projektmanagement-Tools, die er sich damals selbst und ohne Wissen der IT-Abteilung eingerichtet hat? Jeder dieser verbleibenden Zugriffe stellt einen separaten, gefährlichen Risikopunkt dar.
Subunternehmer und Gäste – Temporäre Zugriffe, die niemals ablaufen
Ein externer Entwickler erhält für die Dauer eines Projekts Zugriff auf das Code-Repository. Das Projekt endet, doch der Zugang bleibt bestehen. Ein externer Wirtschaftsprüfer erhält für eine Woche einen Login zum Finanzsystem. Die Woche vergeht – das Konto existiert weiter. Dies ist eine Kategorie von Berechtigungen, die in Organisationen ohne systematisches Zugriffsmanagement besonders vernachlässigt wird, da sich niemand für den Prozess des Rechteentzugs verantwortlich fühlt.
Das Prinzip der geringsten Rechte (Least Privilege)
Der Benutzer erhält nur das, was er wirklich braucht
Das Prinzip der geringsten Rechte (Least Privilege Access, LPA) besagt, dass jeder Benutzer, jedes System und jede Anwendung ausschließlich die Berechtigungen erhalten sollte, die für die Erfüllung der konkreten Aufgaben absolut notwendig są – und kein bisschen mehr. Wie BigID erklärt, begrenzt LPA den Schaden, den ein Angreifer nach der Kompromittierung eines Kontos anrichten kann, da ein Konto mit eingeschränkten Rechten auch nur einen stark limitierten Zugriff bietet.
Die Implementierung des Least-Privilege-Prinzips beginnt mit der Frage: Worauf benötigt der Benutzer wirklich Zugriff, um seine tägliche Arbeit zu erledigen? Nicht: Was könnte ihm eventuell irgendwann nützen? Sondern: Was ist für ihn zwingend erforderlich?
Rollenbasierte statt individuelle Verwaltung
Role-Based Access Control (RBAC) ist ein Modell, bei dem Berechtigungen an spezifische Rollen gekoppelt są, die dann den Benutzern zugewiesen werden – anstatt den Zugriff für jede Person individuell zu konfigurieren. Ein neuer Mitarbeiter erhält die seiner Position entsprechende Rolle und verfügt automatisch über die damit verknüpften Rechte. Ein Positionswechsel bedeutet schlicht den Wechsel der Rolle und führt zur automatischen Aktualisierung aller Berechtigungen.
Zugriffe zeitlich begrenzen (Just-In-Time)
Just-In-Time Access (JIT) ist ein Modell, bei dem privilegierte Berechtigungen ausschließlich für die Dauer einer spezifischen Aufgabe erteilt werden und nach deren Abschluss automatisch erlöschen. Ein Administrator benötigt beispielsweise Zugriff auf den Produktionsserver für eine Diagnose: Er erhält diesen Zugriff für exakt 2 Stunden, danach wird er vom System automatisch entzogen. Durch diese fest definierten Zeitfenster muss der Benutzer den Autorisierungsprozess bei jedem Zugriff neu durchlaufen, was das Risiko einer unbefugten Wiederverwendung von Zugangsdaten komplett eliminiert.
So implementieren Sie die Berechtigungskontrolle im Unternehmen
Schritt 1: Die Inventur (Das Audit)
Vor jeder strukturellen Änderung muss ein umfassendes Audit des Ist-Zustands durchgeführt werden. Ziel ist eine lückenlose Liste aller Konten, Berechtigungen und Systeme, gepaart mit der Prüfung, ob jeder dieser Zugriffe aktuell legitimiert ist. In den meisten Organisationen bringt dieses Audit Konten ehemaliger Mitarbeiter, „vererbte“ Alt-Rechte und Zugriffe ans Licht, an die sich niemand mehr erinnern kann.
Schritt 2: Die Segmentierung
Berechtigungen werden konsequent nach Rollen und Teams gruppiert, statt sie individuell zu vergeben. Projektressourcen wandern in dedizierte Projekttresore, Finanzsysteme in die Zugriffsgruppe der Buchhaltung und Produktionsumgebungen in eine streng limitierte Administratorgruppe. Diese Segmentierung sorgt dafür, dass eine Rechteänderung bei einer einzelnen Person nicht die Modifikation von Dutzenden individueller Konfigurationen erfordert.
Schritt 3: Standardisierte HR-Prozesse
Jedes HR-Ereignis (Onboarding, Wechsel, Offboarding) muss einen definierten, wiederholbaren Prozess zur Rechteaktualisierung auslösen. Neue Mitarbeiter erhalten Gruppenrechte basierend auf ihrer Rolle, nicht durch das unkontrollierte Kopieren der Rechte ihres Vorgängers. Ein Abgang triggert das sofortige Entfernen aus allen Gruppen und den vollständigen Entzug aller Zugriffe. Diese Prozesse sollten fest mit der HR-Software synchronisiert sein.
Schritt 4: Regelmäßige Rezertifizierung
Berechtigungen müssen in festen Intervallen routinemäßig überprüft werden. Ziel ist es, veraltete Rechte ohne eindeutiges Auslöser-Ereignis zu identifizieren. Ein Mitarbeiter, der sich seit sechs Monaten nie in einem bestimmten System angemeldet hat, benötigt diesen Zugriff höchstwahrscheinlich nicht mehr. Ein Dienstkonto, das seit einem Jahr inaktiv ist, muss dringend validiert werden.
Die Rolle des Passwortmanagers beim Berechtigungsmanagement
Das Management von Berechtigungen im Bereich von Passwörtern und Zugriffen auf externe Systeme – wie SaaS-Anwendungen, Marketing-Plattformen oder Kundensysteme – erfordert ein Werkzeug, das direkt auf der Ebene der Zugangsdaten ansetzt und nicht nur auf Ebene von Domänenkonten operiert. Genau hier ergänzt perc.pass Ihre bestehende IAM-Infrastruktur optimal.
Zentrales Repository mit gruppenspezifischer Zugriffskontrolle
Jede Abteilungsgruppe in perc.pass verfügt über exakt definierte Benutzer mit granularen Berechtigungsstufen (Vollzugriff, reiner Lesemodus etc.). Der IT-Administrator sieht auf einen Blick, wer Zugriff auf welche Werte hat, während jeder Mitarbeiter exakt die Passwörter sieht, die er für seine tägliche Arbeit benötigt.
Sichere temporäre Freigabe
Ein externer Dienstleister oder Subunternehmer kann sich über eine sichere, zeitlich begrenzte Freigabe außerhalb der Organisation in ein System einloggen. perc.pass generiert hierfür einen einmaligen, zeitlich limitierten Link, który sich zusätzlich per Passwort absichern lässt. Dies eliminiert das Risiko, dass Zugangsdaten auf dem Übertragungsweg abgefangen werden.
Augenblickliches Offboarding
Das Deaktivieren oder Löschen eines Benutzers in perc.pass entzieht ihm mit einer einzigen Operation den Zugriff na alle Passwörter, die ihm zugewiesen waren. Es besteht keine Notwendigkeit mehr, manuell Passwörter in Dutzenden von Systemen zurückzusetzen, und das Risiko, einen kritischen Zugang zu übersehen, ist vollständig gebannt.
Manipulationssichere Aktivitätshistorie
perc.pass protokolliert jede einzelne Aktion im Rahmen der System-Logs revisionssicher: Logins, Passwortänderungen, Freigaben und Rechteentzüge. Im Falle eines Vorfalls ermöglicht diese Historie eine lückenlose Rekonstruktion des realen Geschehens. Bei einem Audit liefert sie die geforderte Betriebsdokumentation völlig ohne zusätzlichen Aufwand.
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